Antifeminist*innen das Handwerk legen!

Das Patriarchat ist alt und umgibt uns überall. Täglich reproduzieren wir es in der Art, wie wir miteinander umgehen und uns gegenseitig wahrnehmen: Entsprechend uns zugeschriebenen Rollen, gespiegelt an der Norm; sei es eine nicht hinterfragte Routine in
romantischen Beziehungen oder die flächendeckende Ungleichbehandlung von Frauen* in Jobs. „Ganz natürlich“ wird erwartet, dass Frauen* die Pflege von Kindern, Kranken und Alten in ihrer Freizeit erledigen – beziehungsweise wird diese Arbeit für einen miesen Lohn von Frauen* mit noch weniger wirtschaftlichen Möglichkeiten gemacht.

Eine ungleich härtere Ausbeutung und geplante Doppelbelastung passiert mit einer Selbstverständlichkeit, zu der es auch gehört, dass Frauen* Übergriffe erfahren – und zwar nicht nur die Verbalen.

Feministinnen haben viele Freiheiten, wie die Unabhängikeit einer Frau
von Ehemann und Vater ab 1977, erkämpft. Aber 2017 wird noch immer eine
Ärtzin verurteilt, weil sie Abtreibungen durchführt und darüber
informiert. Ebenfalls 2017 wurde dann das Sexualstrafgesetz geändert.
Dieses hat nun immerhin nicht mehr zur Vorraussetzung, dass die
Betroffene Spuren aus einer körperlichen Auseinandersetzung als Beweis
dafür tragen muss , dass sie sich gewehrt hat. Dennoch steht sie
nachwievor unter einem (vielleicht noch größeren) Rechtfertigungs- und
Erklärungsdruck und die Prämisse Nein-heißt-nein wird einfach immer noch
nicht durchgesetzt. Es liegt also noch viel im Argen, auch wenn eine
gesetzliche Gleichstellung und der Schutz vor Diskriminierung sich
weiter entwickeln.

Stufenweise Entkriminalisierung ist schon mal gut, Gleichberechtigung
wäre noch besser – aber um was es wirklich gehen muss, ist
Selbstbestimmung.

 

Antifeminismus als Teil rechter Ideologien

Antifeminismus stellt sich genau gegen diese Errungenschaften.
Die Frau soll zum Einen der Familie, dem Staat, der Nation unterstehen.
Zum Anderen macht sie eine ganz bestimmten Anforderung quasi zum Objekt
des öffentlichen Interesses – nämlich die der zur Reproduktion
verpflichteten Frau*. In die Selbstbestimmung von Frauen mischt sich die
BRD beispielsweise mit dem Abtreibungsparagraphen 218 ein. Der geht den
rückwärtsgewandten und chauvinistischen „LebensschützerInnen“ mit ihrer
fundamentalreligiösen und völkischen Motivation noch nicht weit genug –
wir kennen sie von ihren (Gebets-)Kundgebungen vor Kliniken und
Beratungsstellen: ALfA, CDL (Christdemokraten für das Leben, CDU/CSU),
„Europäische Ärzteaktion in den deutschsprachigen Ländern e.V.“, „Helfer
für Gottes kostbare Kinder e.V.“ etc.etc.etc. Einen der unzähligen
Knotenpunkte zwischen „Lebensschützer*innenszene“ und der AfD stellt die
Gründerin und Sprecherin der „Zivilen Koalition e.V.“, Beatrix von
Storch, dar. Die AfD biete Homohassern und AbtreibungsgegnerInnen „als
einzige relevante Partei (…) eine Zuflucht“, lobt so auch eine Frau
Kempf aus dem Bundesvorstand ALfA.Denn die AfD versucht,
Gleichstellungsgesetze auf palamentarischem Wege rückgängig zu machen.

Wie ihrem Parteiprogramm zu entnehmen ist, sieht sie nicht nur die
Familie als Keimzelle der Nation, sondern stellt sich explizit gegen
Schwangerschaftsabbrüche, Homosexualität und geschützten
Geschlechtsverkehr. Denn das sei „unvereinbar mit den vitalen Interessen
der Deutschen.“ Ähnlich wie andere Rechte, schwafelt sie von einer
„Schrumpfung der angestammten Bevölkerung“ und einem „naturgegebenen
Unterschiede zwischen den Geschlechtern“: Dem soldatischen Mann und der
fürsorglichen kinderreichen Mutter.
Außerdem möchte sich die AfD mit einer „gezielten Politik für Männer und
Väter“ an MännerrechtlerInnen anbiedern. PöblerInnen gegen
Gendermainstreaming in sozialen Medien haben ohnehin die Tendenz zu
einer rechtsnationalen Weltanschauung. Sie und die Nazis vom 3. Weg
bejubeln gemeinsam einen Höcke, der sagt: „Wir brauchen mehr
Männlichkeit.“ Und ein Bystron, der seiner Parteikollegin erklärt, dass
Frauen wie sie lieber an einer Stange tanzen sollten als Politik zu
machen, ist mit dieser Aussage genau ihr Mann. Wer so über Frauen* denkt
und spricht, hat dann auch kein Problem damit, so zu tun, als würde es
ihm um ihren Schutz gehen – solange es denn dabei hilft,
rassistischen Hass zu verbreiten. Dass dies das übliche Blabla von
Faschos ist und nicht das Geringste mit Feminismus zu tun hat, ist
allgemein bekannt.
Denn Feminismus bedeutet für eine befreite Gesellschaft ohne
Unterdrückung und Bevormundung zu kämpfen.

Feminismus darf sich nicht darauf beschränken, Antifeminismus abzuwehren
und dem allgemeinen sexistischen Backlash entgegen zu treten. Sich für
den Feminismus stark zu machen, ist die gelebte Solidarität unter
Frauen*!

 

Manche bezeichnen den Feminismus als Nebenwiderspruch, andere nennen ihn
eine Ausgeburt der Dekadenz. Dabei ist es doch so, dass der Kapitalismus
die Dynamik patriarchaler Strukturen wohl für sich nutzt, aber mit
seinem Verschwinden diese Ungleichheit unabhängig weiterbestehen kann,
sowie sie schon davor existierte.

 

Das Werkzeug, um sie zu zerlegen, ist der Feminismus.

http://feministsubversion.blogsport.eu
http://deconstructreality.blogsport.eu

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