Von: https://www.muenchner-kammerspiele.de/inszenierung/body-talk

BODY TALK

Wir möchten euch schon einmal auf ein Wochenende im Juli hinweisen, an dem in München das Festival “Body Talk” stattfindet. Aus der Beschreibung:

EIN FESTIVAL ÜBER KÖRPER UND MÄRKTE, GESCHLECHT UND SICHTBARKEIT IM 21. JHR.

EINE KOOPERATION MIT MISSY MAGAZINE
Das deutsche Theater ist mehrheitlich, schlicht und ergreifend: männlich, weiß, hetero. Das betrifft die Stoffe, die Regisseure, das leitende Personal. Die Münchner Kammerspiele machen da keine Ausnahme. Wo sind sie denn bloß, die Frauen, die Schwarzen, die Queers, die Freaks? Sie werden in den progressiveren Einrichtungen der Branche immer wieder als Instanz angerufen. Aber ändern sich dadurch schon die symbolischen, geschweige denn die politischen Machtverhältnisse? Emanzipatorische Theaterproduktionen, in denen Positionen sogenannter Minderheiten noch am ehesten vorkommen, finden oft unter prekären Bedingungen und in nur begrenzt wahrgenommen Off-Räumen statt. Es geht nicht nur darum, von der Norm abweichende Identitäten auf die Bühne zu stellen. Das allein würde sie nur dem branchenüblichen Logik der Verwertung zuführen. Sondern darum, die Bedingungen der Sichtbarmachung selber zu verändern.

Mit dem von Stefanie Lohaus und Christoph Gurk kuratierten Festival „Body Talk“ richten die Münchner Kammerspiele, auch an sich selbst, die Frage, warum das Theater in dieser Hinsicht so sehr hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Was könnte man unternehmen, um das zu ändern? Drei Tage lang – und nach Abschluss der Veranstaltung dann vielleicht immer öfter – wird die Bühne für die Perspektiven derjenigen geöffnet, für die in deutschen Stadttheatern zu wenig Raum bleibt. Auf dem Programm stehen Performances, szenische Interventionen, Konzerte von und mit: The Agency, Boiband, Marlene Monteiro Freitas, Henrike Iglesias, GIESCHEand, Tina Pfurr und Anna Zett, Anta Helena Recke und Julian Meding, Talking Straight, Jeremy Wade, Melanie Jame Wolf, WUSS u.v.m.

Das Festival „Body Talk“ möchte bei der – dringend notwendigen – Selbstkritik des heteronormativen Kulturbetriebs nicht stehenbleiben. Inmitten eines aufgeheizten Zeitgeistes richtet die Veranstaltungsreihe den Blick auf gesellschaftspolitische Debatten, in denen sich oft genug massive Rückschläge für feministische, genderpolitische und antirassische Bewegungen anzeigen. Es geht um das Erstarken islamophober Tendenzen und die Ereignisse auf der Kölner Domplatte während der vergangenen Silvesternacht, um Sexarbeit im Zeichen von Flucht und Migration, um Pick-up-Artists und sexualisierte Gewalt im öffentlichen Raum und im Internet, um den Optimierungsdruck, der sich im Zeitalter des Neoliberalismus nicht nur auf weibliche Körper richtet. Wir hören Vorträge und Diskussionen von und mit: Paula Villa, Barbara Duden, Stefanie Lohaus, Margarita Tsomou u.v.m. „Body Talk“ ist längst noch nicht alles. Aber hoffentlich ein Anfang.
FESTIVALPASS (für 3 Tage): 45 / erm. 30 Euro TAGESTICKET: 20 / erm. 15 Euro

ZUM TICKETVERKAUF DER VERLINKUNG FOLGEN:
Festival-Pass, Donnerstag 14. – Samstag 16. Juli

Tagesticket – Donnerstag , 14. Juli
Tagesticket – Freitag , 15. Juli
Tagesticket – Samstag, 16. Juli
KINDERBETREUUNG
Samstag 14 – 20 Uhr
Für Kinder von 3 – 10 Jahren, Treffpunkt Bühnenpforte, Falckenbergstr. 2
Anmeldung nicht erforderlich, Infos unter 089 / 233 368 17

BA*R
Donnerstag – Samstag ab 20 Uhr
Programm und Info über den Newsletter: bar@kammerspiele.de

Slutwalk 2016

Wir teilen den Aufruf 2016 des Slutwalk München:

Liebe Freunde des Slutwalk München, hier ist der Text der im Jahre 2016 vermitteln soll, was uns dieses mal besonders am Herzen liegt. Und hier geht’s los:

Slutwalk 2016 – gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus

„Frauen sollten sich nicht wie Schlampen anziehen, wenn sie nicht vergewaltigt werden wollen”

Mit diesem Satz löste ein Polizist 2011 weltweite Proteste aus. Bei den sogenannten Slutwalks gehen seither jedes Jahr tausende Menschen auf die Straße, um dagegen zu protestieren, dass immer noch viel zu häufig den Opfern von sexualisierter Gewalt eine Mitschuld zugesprochen wird. “Hättest du mal nicht so viel getrunken, dann wäre dir das nicht passiert”, “so wie du angezogen bist, musst du dich ja nicht wundern”. Falsche Behauptungen über sexualisierte Gewalt wie diese, sogenannte Vergewaltigungsmythen, gibt es viele. Gemein ist ihnen, dass sie sexualisierte Gewalt nicht als gesellschaftliches Problem anerkennen, sondern die Verantwortung auf die Betroffenen abwälzen.

Seit Silvester kursiert in Deutschland ein neuer Vergewaltigungsmythos: “Der muslimische Mann” soll nun schuld daran sein, dass es in Deutschland so häufig zu sexuellen Übergriffen kommt. “Wärst du halt nicht mit dem mitgegangen” heißt es nun. Geflüchtete werden unter Generalverdacht gestellt sexuell gewalttätig zu sein. Verbrechen werden jedoch von individuellen Menschen, nicht von Gruppen oder Religionen begangen. Sexismus und sexualisierte Übergriffe gehören zum Alltag jeder Frau, sie finden in allen Teilen der Gesellschaft statt und werden von Tätern aus allen Schichten und jeglicher Herkunft verübt.

Wir wehren uns dagegen, dass Sexismus und sexualisierte Gewalt für rassistische Stimmungsmache instrumentalisiert und verharmlost werden!

Der Kampf gegen sexualisierte Gewalt darf nicht nur dann Aufmerksamkeit finden, wenn die Täter die vermeintlich „Anderen“ und die Opfer vermeintlich weiße Frauen sind.Wir fordern eine effektive Strafverfolgung von allen Sexualstraftätern, die Schutzlücken im Sexualstrafrecht müssen endlich geschlossen werden. Wir fordern außerdem, dass geflüchtete Frauen, die häufig sexualisierte Gewalt im Herkunftsland, auf der Flucht aber auch hier in Deutschland erleben, in den Unterkünften ausreichend geschützt werden.

Dafür wollen wir gemeinsam auf die Straße gehen. Demonstriert mit uns am

16. Juli um 13 Uhr am Karlsplatz/Stachus

für sexuelle Selbstbestimmung und den Schutz vor Gewalt für Alle!

Das Opfer ist niemals selbst schuld!

Es spielt keine Rolle, was ihr anzieht und welches Geschlecht ihr habt, ihr seid immer willkommen.

Wir setzen uns für Vielfalt und Gleichberechtigung ein, Nazis und Rassisten haben auf unserer Demo nichts verloren. Die Veranstaltung ist nicht parteigebunden organisiert. Daher sind Fahnen oder Werbematerialien von Parteien bitte zuhause zu lassen.

Vielen Dank dafür!

Protest gegen die “Demo für alle” am 26. Juni 2016 in München

Die reaktionäre „Demo für alle“ hat sich mal wieder für München angemeldet. Am 26. Juni um 14 Uhr am Wittelsbacher Platz ist der Beginn der Demo geplant. Die Route soll dann über den Salvatorplatz, die Kardinal-Faulhaber-Str., die Prannerstr., den Maximiliansplatz, den Platz der Opfer des Nationalsozialismus und die Briennerstr. gehen, von der aus sie zum Ausgangspunkt zurückkehrt.
Veranstalter ist der Verein „Ehe-Familie-Leben“, dessen Leiterin bereits früher mit der „Initiative Familienschutz“ einige Demonstrationen in Stuttgart organisiert hatte.

Schon zwei Mal hatte sich die „Demo für alle“ in München ankündigt: Einmal im Frühling 2014 und einmal im März 2015. 2014 fand die Demonstration nicht statt, weil die „Demo für alle“-Veranstalter_innen Angst vor dem starken Gegenprotest hatten, der zu diesem Zeitpunkt bereits geplant war.

Wir möchten euch dazu aufrufen, am 26. Juni mit uns die „Demo für alle“ durch entschlossenen Protest zu stören. Diese Veranstaltung und ihre Teilnehmer_innen sind eine Ansammlung antifeministischer, reaktionärer und zu einem bedeutenden Teil rechter Akteur_innen, die für die Diskriminierung von nicht-heterosexuellen Menschen, sowie Trans-, Inter- und queeren Personen einstehen. Sie möchten heteronormative Normen und Strukturen erhalten und sehen jede Abweichung von diesen als Angriff gegen die vermeintlich „richtige“ und „natürliche“ Ordnung.
Außerdem lassen sich personell und inhaltlich deutliche Parallelen zu reaktionären Lebensschützer_innen zeigen, die gegen das Recht auf Abtreibung und die Selbstbestimmung von schwangeren Personen sind und eine massiv misogyne Ideologie vertreten.

In ihrem Weltbild haben Frauen ihre „natürliche Rolle als Mutter“ und dieser sollen sie sich anpassen. Diese Argumentation wird vervollständigt durch völkische Elemente, nach denen Schwangere Gebärmaschinen darstellen, die für den Erhalt des Volkes verantwortlich sind, sowie für die Vermittlung „deutscher, europäischer Werte“.
Wo es um „natürliche Geschlechterordnung“, Homosexuellen- und Transfeindlichkeit geht, um den Erhalt von Volk und Nation, ist bekanntlich auch die AfD nicht weit. So wurde der Trägerverein „Zivile Koalition e.V.“ der „Initiative Familienschutz“ von Beatrix von Storch gegründet, die auch in ihrer Position als AfD-Politikerin durch antifeministische Inhalte besonders auffällt.

Es dürfte an diesem Tag also mit einem braunen Gemisch aus den reaktionären und rechten Antifeminist_innen der Fraktionen „Demo für alle“ und „Lebensschutz“ zu rechnen sein und außerdem AfD-Anhänger_innen, die keine Möglichkeit auslassen gegen die „genderhomolinksrotgrüngutmenschentumversiffte“ Weltverschwörung auf die Straße zu gehen. Wie auch bei 1000-Kreuze-Märschen in München und anderen AfD- und „Lebensschutz“-Aktionen werden sich vermutlich auch (organisierte) Neonazis in und außerhalb der „Demo für alle“ befinden.

Da wir uns als Teil der Gender-Weltverschwörung verstehen, die in dubiosen Hinterzimmern auf den Sturz der heteronormativen Ordnung und die befreite Gesellschaft hinarbeitet, werden wir diesen Aufmarsch natürlich nicht einfach so hinnehmen können.
Wir fordern euch dazu auf, am 26. Juni mit uns gemeinsam auf die Straße zu gehen und der „Demo für alle“ zeigen, wieso sie ihre Pläne für München in den letzten beiden Jahren zurecht nicht umgesetzt haben.
Kommt zahlreich um 14.00 Uhr zum Wittelsbacher Platz und lasst es nicht an kreativen Kundgebungsmitteln mangeln!

Alerta Antifascista!

QUEERTHING – Hexe*, Hure*, Mutter*, Hysterikerin*: Machtvolle Frauen*bilder und antikapitalistische Visionen

Siehe auch Facebook-Veranstaltung:

Short-Facts:

Queerthing – Kunst.Kultur.Musik
Vortrag- Lesung- Diskussion / Konzert
Datum: 14.06.2016, ab 19 Uhr
Ort: Glockenbachwerkstatt, Blumenstr. 7
Veranstalter: QUEERTHING

Hexe*, Hure*, Mutter*, Hysterikerin*: Machtvolle Frauen*bilder und antikapitalistische Visionen
The Irksome Institute liest aus “Hysterical Experiments” (2015) und “Who cares?” (2016). The Irksome Institute erforscht kapitalistische und patriachale Rationalitäten und erkundet eine antikapitalistische feministische Zukunft. Unser Ansatz ist ein experimenteller: theoretische Nachforschungen und politische Analysen haben immer etwas mit unseren persönlichen Leben und Beziehungen zu tun. Wir bringen sie durcheinander. Wir erweitern unsere Handlungsspielräume.
https://theirksomeinstitute.wordpress.com/

“Who Cares?” hinterfragt “sich kümmern” als Frauen*rolle innerhalb der Geschichte des Kapitalismus. Wir begegnen Frauen*bildern wie der Hexe*, der Hure*, der Mutter* und der Hysterikerin*. Wir erfinden Experimente, die zu anderen Umgängen mit Für_Sorge inspirieren. Wir brechen mit Karriere und Identitätsdruck, streiken mit Trauer, diskutieren Konzepte von Freundschaft, Liebe und Mitgefühl – auf der Suche nach Visionen antikapitalistisch feministischer Zukunft.

** Danach musikalisches von
Singer/songwriterin DOREEN (Berlin)
und
MARIA (elcassette, Sally Rides/ München)

Wir freuen uns auf euch!
**Eintritt- wie immer- auf Spendenbasis**

schaut auch hier hin
https://www.facebook.com/QUEERTHING-1553506468195460/

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Respekt-Kampagne im Glockenbachviertel

Gemeinsam leben, lieben, lachen – und einander mit Respekt begegnen. Das Glockenbachviertel, traditionell Hochburg der Münchner LSBTTIQ*-Community, wandelt sich: Immer mehr Menschen entdecken das Viertel für sich. Diese Vielfalt will gelebt werden! Die Respekt-Kampagne will Vorurteilen vorbeugen, die Vielfalt im Viertel zeigen und gegenseitige Akzeptanz fordern. Dafür sorgen Plakate der Stadt München in den Gaststätten und auf Großflächen sowie tolle Aktionen der Community im Zeitraum Mai bis zur CSD Pride Week.

1000 Kreuze Marsch in München

“Wir müssen auch in diesem Jahr wieder mit Störaktionen durch Linksextremisten rechnen.” schreibt EuroProLife 2016 genau wie letztes Jahr in ihrem Aufruf (zu finden auf der Seite von EuroProLife) zum diesjährigen 1000-Kreuze-Marsch. Und natürlich liegen sie damit erneut ganz richtig.

Denn der alljährlich in verschiedenen Städten stattfindende 1000-Kreuze-Marsch ist jedes Jahr antifeministisch, heterosexistisch, cissexistisch und versammelt christliche Fundamentalist_innen, Abtreibungsgegner_innen, AfDler_innen, Nazis und andere reaktionäre Gestalten unter einem Banner bzw. Kreuz.

Mit den 1000-Kreuze-Märschen findet ein Marsch gegen das Recht auf Abtreibung, Selbstbestimmung von Schwangeren, gegen jede feministische Errungenschaft und für “europäische Kultur” – was immer das sein mag – statt. Hinter dem Recht auf Abtreibung wird eine feministische Verschwörung des Staates vermutet, womit auch hier ein Schulterschluss zu rechten Maskulinisten, der AfD und Rechtsradikalen geübt wird. Sie beschwören den bald eintretenden Volkstod, den Abtreibungen verursachen und vertreten so ganz offen völkische Ideologie.

Alles Gründe, um am 7. Mai gegen den 1000-Kreuze-Marsch auf die Straße zu gehen (falls euch die genannten noch nicht reichen, lest einfach die Aufrufe aus dem letzten Jahr durch, denn die Gründe sind jedes Jahr die gleichen – das war einmal “Break the silence, break the chains” und das zweite Mal “Für die Freiheit, für das Leben – Selbstbestimmung muss es geben”). Auch dieses Jahr treffen sich die Kreuzträger_innen um 14:30 Uhr am Dom und werden von dort aus mit weißen Kreuzen durch die Stadt laufen und für die Ungeborenen, die Polizei, die europäische Kultur u.ä. beten.

Wir möchten ihre Erwartungen gerne erfüllen und zahlreich, laut und entschlossen gegen diese antifeministische Veranstaltung und ihre Teilnehmer_innen protestieren!

Wir sehen uns auf der Straße. Ab 14:30 Uhr am Dom!

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Euer Verdrängen kotzt uns an!

Wir unterstützen den Aufruf zum antifaschistischen Hearing und zur Demo in Bad Reichenhall:

EUER VERDRÄNGEN KOTZT UNS AN
NS-VERBRECHEN BENENNEN! OPFER ENTSCHÄDIGEN! RECHTE TRADITIONSPFLEGE ANGREIFEN!
Am 21.Mai 1941 beginnt die Wehrmacht mit der Luftlandung auf der griechischen Insel Kreta. Die Bevölkerung leistet vom ersten Tag an erbitterten Widerstand gegen den Überfall der eingesetzten Fallschirm- und Gebirgsjäger. Schon am dritten Tag ordnet der Kommandeur der im Salzburger Land aufgestellten 5.Gebirgsdivision, Julius Ringel (gestorben 1967 in Bayerisch Gmain, Nachbargemeinde von Reichenhall), Vergeltungsmaßnahmen gegen Zivilist_innen an: in eroberten Ortschaften sollen männliche Geiseln genommen und im Falle von Widerstandshandlungen je getötetem Wehrmachtssoldaten zehn Griechen ermordet sowie Ortschaften angezündet werden. Auf dieser Basis werden zahlreiche Massaker verübt, auch von Gebirgsjägern aus Bad Reichenhall. Rund um den 75. Jahrestag dieser Ereignisse möchten wir unseren Beitrag zur Erinnerungskultur in dieser Ortschaft leisten, die sich mit Kreta-Denkmälern, -Brücken und -Gedenkfeiern schmückt. Denn in Bad Reichenhall herrscht auch nach mehreren Jahren antifaschistischer Intervention ein aktives Verdrängen vor: Ein Verdrängen, bei dem die Opfer des Nationalsozialismus ganz explizit ausgeklammert bleiben um nicht den geringsten Missmut gegenüber der ortsansässigen Gebirgstruppe zu erzeugen; ein Verdrängen, bei dem darüber hinaus nazistisches Gedenken akzeptiert bleibt. Dieses Verdrängen kotzt uns an. Und so bleibt uns nichts anderes übrig als auch 2016 nach Bad Reichenhall zu reisen um dort NS-Verbrechen zu benennen und Entschädigung für die Opfer zu fordern. Doch erst einmal der Reihe nach…

Geschichte wird gemacht
Anfang 2010 klärten wir, das antifaschistische rabatz-bündnis, die Reichenhaller “Zivilgesellschaft” erstmals über das jährliche SS-Gedenken in Bad Reichenhall auf und forderten, aktiv dagegen vorzugehen. Leider wurde unser Aufruf ignoriert und wir kündigten für 2011 aktive Proteste an.
Weitere Recherchen ließen die SS-Gedenkfeier aber „nur“ als Spitze des rechten Eisberges erscheinen: „Von Mittenwald nach Bad Reichenhall“ lautete die Überschrift unseres ersten Aufrufs, unter dem wir im Mai 2011 das erste Mal in das Berchtesgadener Land mobilisierten. Zentrale Inspiration für uns war die Kampagne „Angreifbare Traditionspflege“. Zwischen 2002 und 2009 war in deren Rahmen das Pfingsttreffen der Gebirgstruppe – dem bis dahin größten regelmäßigen Wehrmachtstreffen – am Hohen Brendten bei Mittenwald auf vielfältige Weise skandalisiert worden (2016 findet die Brendtenfeier am Fr. 13.05. statt – achtet auf evtl. Ankündigungen).
Das Reichenhaller Pendant dazu ist ein „Kreta-Gedenken“ anlässlich des Jahrestags des Aufbruchs zur Okkupation der griechischen Mittelmeerinsel. Durchgeführt wird dieses vom lokalen Ableger des Kameradenkreises der Gebirgstruppe mit freundlicher Unterstützung durch die Stadt und die Bundeswehr (dieses Jahr vo­r­aus­sicht­lich am Mi, 18.05.16 um 11:00 Uhr). 2011 gelang es uns erst- und bis dato einmalig diese bürgerlich daherkommende Form der NS-Verherrlichung effektiv zu stören. Der damalige Werbeslogan des Kurorts „Wo die Zeit Urlaub macht“ wurde als für sich sprechendes Demonstrationsmotto entwendet und wird seither von offizieller Seite nicht mehr genutzt, um Tourist_innen in die Kleinstadt zu locken.
Überregionale Aufmerksamkeit wurde Bad Reichenhall allerdings erst in den Wochen nach der Demonstration zu Teil: Es waren Kinder, die am Tag der Offenen Tür der Bundeswehrkaserne mit Zielerfassungssystemen von Panzerfäusten auf ein nachgebautes Dorf mit dem Namen „Klein-Mitrovica“ zielten. Bilder davon wurden als „Klein-Mitrovica-Skandal“ in der internationalen Medienberichterstattung rezipiert. Zu diesem Zeitpunkt war die Kaserne der Reichenhaller Gebirgsjäger noch nach General Rudolf Konrad, dem „antisemitischen Schlächter von der Krim“ und zugleich einem der „Väter“ der Gebirgstruppe, benannt.
Im darauf folgenden Jahr 2012 erhielten wir Rückenwind, insbesondere von der “Initiative gegen falsche Glorie” und dem Historiker Jakob Knab. Diese teilten unsere Forderung nach einer Umbenennung der General-Konrad-Kaserne, die im Herbst des Jahres 2012 tatsächlich erfolgte. Was den Kameradenkreis der Gebirgstruppe aber auch weiterhin nicht davon abhalten sollte, Konrad am Grabe zu ehren. Und verschwunden ist mit der Umbenennung auch das großflächige Landsergemälde am Kaserneneingang nicht. Der Anspruch der Demonstration „Re-Educate Bad Reichenhall“ und dieses zu entnazifizieren ist also bis heute nur teilweise eingelöst.
2013 wandten wir uns deshalb mit einer Plakataktion an die Bevölkerung von Bad Reichenhall. Darauf abgedruckt waren 10 politische Forderungen. Darunter: die Entfernung eines geschichtsrevisionistischen Kirchenbildes zum 23. April 1945, auf dem die Alliierten als Apokalyptische Reiter dargestellt werden sowie die Umbenennung der Kreta-Brücke in Winkler-Reischl Brücke in Erinnerung an den antifaschistischen und antimilitaristischen Widerstand, den es auch in Bad Reichenhall gab – bis die Aktivist_innen fliehen mussten oder von den Nazis ermordet wurden. Einen Aufreger war die Wiedergabe eines 3sat-Zitats wert, das den Kameradenkreis der Gebirgstruppe als „Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher“ charakterisiert. Unsere Forderungen wurden in der Medienberichterstattung vor Ort zwar durchaus diskutiert – aber auf die Idee, irgendetwas davon umzusetzen, ist so recht niemand gekommen.
So kam es, dass wir am 10. Mai 2014 unser Versprechen einlösen und wieder einen Ausflug in die oberbayerische Kleinstadt unternehmen mussten. Dabei rückte das nazistische Gedenken an die SS-Division Charlemagne in den Fokus unserer Demonstration, weil es zeitgleich abgehalten wurde. Im Klartext: Während am 8. und 9. Mai die Menschen in aller Welt die Kapitulation der Wehrmacht und die Befreiung vom Nationalsozialismus feiern, wird in Bad Reichenhall der SS gehuldigt, wofür es auch Fürsprecher_innen in der Mitte der Gesellschaft gibt:
„Die haben ja nicht für eine abzulehnende Ideologie gekämpft.“ So charakterisierte zum Beispiel Karl Welser, Gründer der Volkshochschule Bad Reichenhall und ehemaliger Stadtrat, die französischen Freiwilligen in der Waffen-SS, die im Mai 1945 im Ortsteil Karlstein von den amerikanischen Befreiern erschossen wurden.
So oder so ähnlich sieht es wohl auch die lokale Nazi-Szene, die das jährliche Gedenken hochhält, seitdem es seinen Status als Treffen von Faschist_innen und Alt-Nazis aus ganz Europa nicht mehr aufrechterhalten konnte.
Als weiteres prägendes Element unserer Demonstration installierten wir 2014 eine Gedenktafel, die die Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger und der Wehrmacht auf Kreta thematisierte. Denn in Bad Reichenhall ist diese Art von Auseinandersetzung mit der Rolle der Gebirgsjäger im Zweiten Weltkrieg wie angedeutet unerwünscht: Noch während der laufenden Demonstration wurde die Tafel dann auch wieder entwendet.
Zum 70. Jahrestag der Befreiung um den 8.Mai 2015 bot sich das gleiche Bild wie in den Vorjahren: Nazis beklagten ihre Niederlage und gedachten der SS, die offiziöse Gedenkpolitik erinnerte an der „Kreta-Brücke“ der „gefallenen“ Gebirgsjäger zusammen mit den „Bombenopfern“ der Stadt und verdrängten damit den Überfall der Wehrmacht auf Kreta. Daran zeigt sich, dass es auch heute noch gilt, die gesellschaftlichen Konfliktlinien aufzuzeigen und als Antifaschist_innen Stellung zu beziehen.
Entschädigung der Opfer – jetzt sofort!
Von 1941 bis 1944 dauerte die Besatzung Griechenlands durch Nazi-Deutschland und seine Verbündeten. Schon bald begannen die Besatzer, die systematische Auslöschung der griechischen Jüdinnen* und Juden* zu planen und durchzuführen. Etwa 60.000 der insgesamt 77.000 jüdischen Griech_innen wurden ermordet, die meisten von ihnen im Lager Auschwitz-Birkenau.
Auch gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung traten die deutschen Besatzer mit roher Gewalt auf. In Griechenland wird davon ausgegangen, dass mindestens 300.000 Menschen in Folge der Besatzung ihr Leben verloren.
Die zahlreichen Massaker an der griechischen Zivilbevölkerung unter anderem durch die Bad Reichenhaller Gebirgsjäger, unterschieden sich dabei allenfalls in der Zahl, jedoch nicht in der Begehungsweise von den Gräueltaten, die durch deutsche Soldaten in Jugoslawien, Polen und der Sowjetunion begangen wurden. Als Tropfen auf dem heißen Stein wurden 1960 115 Millionen DM bezahlt „zugunsten der aus Gründen der Rasse, des Glaubens oder der Weltanschauung von nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen betroffenen Staatsangehörigen, die durch diese Verfolgungsmaßnahmen Freiheitsschäden oder Gesundheitsschädigungen erlitten haben, sowie besonders auch zugunsten der Hinterbliebenen der infolge dieser Verfolgungsmaßnahmen Umgekommenen“.Ausgeschlossen blieb der größte Teil der Opfer: Der Betrag der Entschädigungen jener Hunderttausender, welche ihre Heimat in Schutt und Asche wiederfanden und deren Familien, Freund_innen und Nachbar_innen im Zuge der zahllosen Massaker durch die grausam wütende Besatzungsmacht ausgelöscht wurden, beläuft sich bis heute auf Null.
Ebenso wenig wurden die geraubten Goldreserven der griechischen Nationalbank und die Zwangsanleihe aus dem Jahre 1942 über 500 Millionen Reichsmark durch die Bundesrepublik zurückgezahlt. Die Anleihe hatten die Nazis während der Besatzung vom griechischen Staat erpresst, um die deutsche Kriegsmaschinerie weiter am Laufen zu halten. Inflationsbereinigt und unverzinst dürfte der zurückzuzahlende Wert der Zwangsanleihe vorsichtig geschätzt heute 10 – 12 Mrd. Euro betragen.
Selbst in den bürgerlichen Medien der BRD fanden mit der Wahl Syrizas Forderungen nach Entschädigung Gehör, ein Thema das sonst weitläufig umschifft wird. Die Tatsache, dass das „Wirtschaftswunder“ nicht möglich gewesen wäre, wenn die Reparationsforderungen an die BRD, Rechtsnachfolger des deutschen Reiches, durch das Londoner Schuldenabkommen von 1953 nicht bis zum Abschluss eines Friedensvertrages gestundet worden wären, war in zahlreichen Zeitungen zu lesen. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990, durch den die Wiedervereinigung geregelt wurde, stellt de facto einen Friedensvertrag dar. Als im Januar 2015 die bisherige Regierung Griechenlands abgewählt wurde, keimte die Hoffnung auf, mit Syriza sei die Frage nach Rückzahlung des Zwangskredits sowie Entschädigungs- und Reparationszahlungen auf politischem Wege gegen den deutschen Staat und die herrschende Kapitalfraktion durchzusetzen.
Ein Jahr später haben sich diese Hoffnungen zerstreut. Der neuen griechischen Regierung sind die Daumenschrauben der europäischen Sparpolitik angezogen worden, für die griechische Bevölkerung bedeutet dies eine soziale Katastrophe. Dass sich jedoch der Deutsche Staat, für dessen Industrie und Wirtschaft sich der faschistische Raubzug durch Europa trotz Kriegsniederlage bis zum heutigen Tage als äußerst profitabel erwiesen hat, trotz der Zahlungsverweigerung seiner Kriegsschulden, ein klarer Bruch internationalen Rechts,jetzt auch noch als Gläubiger geriert, ist eine anhaltende Demütigung der Opfer Nazi-Deutschlands.
Nachdem die Frage um Entschädigung politisch nicht geklärt werden konnte, wendet sich die Hoffnung auf Entschädigung nun auf den juristischen Weg. Mit der Entscheidung des italienischen Verfassungsgerichts vom 22. Oktober 2014 wurde in Italien der Zugang zu den Gerichten wieder geöffnet, ein großer jurististischer Erfolg im Kampf um Gerechtigkeit. Die Entscheidung des italienischen Verfassungsgerichts steht gegenüber der bisherigen Rechtsauffassung, wonach Deutschland sich auf Staatenimmunität in Bezug auf NS-Kriegsverbrechen berufen konnte. Diese Entscheidung öffnete auch den Rechtsweg für griechische Nazi-Opfer wieder.
Doch Deutschland wird auch weiterhin mit allen politischen und juristischen Mitteln versuchen, sich aus der Zahlungspflicht zu schleichen. Soweit bekannt, wird ein neuer Prozess in Den Haag angestrebt. Inzwischen ist außerdem zu erfahren, dass hinter den Kulissen Verhandlungen mit der italienischen Regierung laufen, um die Urteile der italienischen Gerichte zu unterlaufen. Dennoch stehen nach der Entscheidung des Verfassungsgerichts die Chancen für einen juristischen Erfolg so gut wie nie zuvor. Dieser würde der ganzen Entschädigungsfrage neuen Auftrieb geben.
Um auch für alle anderen Opfer der NS-Verbrechen Entschädigungen durchzusetzen, wird es jedoch erforderlich sein, Solidarität mit den Opfern gerade im Land der Täter_innen deutlich werden zu lassen.
Kein Vergeben – Kein Vergessen…
Eine sinnvolle juristische Aufarbeitung muss im Übrigen drei Aspekte berücksichtigen: Der erste ist der eines Stücks individueller Gerechtigkeit und Wiedergutmachung; für die Betroffenen der Kriegsverbrechen und deren Angehörige muss der deutsche Staat zur Rechenschaft gezogen und Entschädigungen müssen gezahlt werden.
Der zweite Aspekt geht damit einher, denn gerade weil Entschädigungen bislang ausgeblieben sind und nur außerordentlich geringe Reparationen geleistet wurden, hat sich der faschistische Raubzug durch Europa für Deutschland und die ansässigen Kapitalfraktionen im Nachhinein als profitabel erwiesen; zumindest hielten sie sich im Großen und Ganzen schadlos. Das zu ändern ist für die Zukunft eines Zusammenlebens ohne Krieg von Bedeutung. Moderne Kriege folgen immer zuerst einem kapitalistischen Interesse; der Kampf um Entschädigungen kann ihren Preis erhöhen, so dass sie sich als unprofitabel darstellen.
Ein dritter Aspekt betrifft die individuelle Verurteilung und Bestrafung der handelnden Akteur_innen: (potentielle) Soldat_innen sollen sich lieber zweimal überlegen, ob sie sich tatsächlich dem Risiko aussetzen wollen, wegen Ausübung eines mörderischen Handwerks als Kriegsverbrecher_innen verurteilt zu werden. Das gilt nicht nur historisierend, sondern beispielsweise auch für die Verantwortlichen des Luftangriffs auf Kunduz im September 2009, bei dem über 140 afghanische Zivilist_innen aus dem Leben gerissen wurden. Entmilitarisierung ist auch und gerade dann erreicht, wenn sich niemand mehr findet, um in der Reichenhaller Kaserne an der Nonner Straße Gehorsam zu leisten und zu dienen.
… Mörder_innen haben Namen und Adressen!
Um unsere Positionen und Forderungen zu unterstreichen laden wir in diesem Jahr darüber hinaus Gäste aus Griechenland, Zeitzeug_innen, Historiker_innen und Rechtsanwält_innen zu einem öffentlichen Hearing ein – ermöglicht durch den Hans-Frankenthal-Preis, der uns von der Stiftung Auschwitz Komitee verliehen wurde. Selbstverständlich werden wir auch am Samstag, 14.Mai 2016 demonstrieren – denn nicht weniger hat Bad Reichenhall verdient.

Es wird mehrere Zugtreffpunkte für die gemeinsame Anreise geben:

München: 8:30 Uhr Hauptbahnhof

Rosenheim: 09:15 Bahnhof

Salzburg: 09:50 Hauptbahnhof

Weitere Infos findet ihr unter: www.badreichenhall.tk

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trans*inter*tagung 2016 in München

Einladung zur Trans*Tagung 2016 in München:

10 jähriges Jubiläum Trans*Tagung München 5. Mai – 8. Mai 2016

Die erste Trans*Tagung München hat im Juni 2007 in der Münchner Aidshilfe & Cafe Regenbogen stattgefunden. Anlässlich unseres 10 jährigen Jubiläums werden wir in Kooperation mit VivaTS e.V. München, Hanse-Intersex-Trans*Tagung Hamburg, Trans*Tagung Potsdam, Hosi Salzburg und Plattform Intersex Österreich PIÖ, Trans*Tagung Schweiz, Courage Wien, TransMann e.V. Deutschland die größte deutschsprachige Trans*Inter*Tagung veranstalten, die es bisher gegeben hat.

Die Trans*Inter*Tagung ist für alle Menschen, die sich für ein Leben jenseits der Geschlechtergrenzen interessieren. Die Organisatoren*innen der Tagung wollen für alle Menschen einen Beitrag zur besseren und vollständigeren gesellschaftlichen Akzeptanz von trans*, inter*- und queeren Lebensweisen leisten. Gleichzeitig soll auf die Probleme und Missstände aufmerksam gemacht werden, mit denen Trans*-und Inter* Menschen und ihre Partner* innen, Freund*innen und Angehörige zu kämpfen haben: Probleme am Arbeitsmarkt, Diskriminierung, Ausgrenzung, Transphobie und Gewalt, aber auch Selbstzweifel und Schwierigkeiten bei der Selbstfindung. Eingeladene Referent*innen halten Vorträge und geben Workshops aus politischen, sozialen, medizinischen, rechtlichen und privaten Bereichen. Unsere Besucher*innen kommen aus ganz Deutschland, Schweiz, Österreich und Südtirol.

Bei uns sind herzlich willkommen:
Trans* -sexuelle -gender -idente -sensuals, Inter*Menschen, Weder-noch’s, Queers, Femmes, CrossDresser, GirlFags & GuyDykes, Intersexuelle, Bigender, Drag Kings & Queens, Homosexuals, PartnerInnen, Cismenschen, Angehörige, Butches, People of Color, Trans* people of Color, disabled people, People of all religions, People of all nationalities und alle die sich für ein Leben jenseits der Geschlechtergrenzen und der heteronormativen Welt interessieren und informieren möchten.
Beginn der Trans*Inter*Tagung ist am Donnerstag 5. Mai 2016 ab 12Uhr mittags mit der Anmeldung. Im Anschluss bietet sich Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen und sich mit alten Bekannten auszutauschen, und sich auf so die Tagung einzustimmen. Anschließend finden Vorträge und Pressemitteilungen statt.
In den Pausen und den gemeinsamen Essen können die TeilnehmerInnen Gedanken austauschen, Gleichgesinnte treffen und neue Menschen, Meinungen und Möglichkeiten kennen lernen. Das Cafe Kranhalle ist durchgehend geöffnet.

Die Tagung München findet erstmalig im Feierwerk Hansastraße 39 – 41, 81373 München statt. Anfahrt:
http://www.feierwerk.de/ueber-uns/anfahrt/
Die Trans*Inter*Tagung soll Mut machen, mit Vorurteilen aufräumen, aufklären, anregen und Spaß machen.

Wir bitten um rechtzeitige Anmeldung mittels Überweisung des Teilnahmebetrages von 35€ – 75 € (nach Selbsteinschätzung). Die Teilnahmegebühren dienen zur Deckung der Unkosten und enthalten ein Abendessen am Donnerstag und ein Mittagessen am Freitag, Samstag und Sonntag. Es gibt auch veganes Essen. Getränke können gekauft werden.

Mehr Infos findet ihr unter Trans*Tagung München.

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München fährt nach Stuttgart!

Wir teilen den Aufruf der antifa nt:

Am 30. April/1.Mai 2016 lädt die rechtspopulistische AfD zu ihrem Bundesprogrammparteitag auf dem Stuttgarter Messegelände. Ein breiter Zusammenschluss verschiedener Bündnisse ruft zu Gegenprotesten und zur Verhinderung des Parteitags auf. Vormittags sind Blockaden und Proteste an der Stuttgarter Messe geplant, nachmittags eine Demonstration in  der Stuttgarter Innenstadt.

Wir planen eine gemeinsame Busanreise aus München, um zusammen mit Tausenden den Parteitag zu blockieren.

Worum geht’s?

Seit ihrer Gründung 2013 hat die AfD noch kein verbindliches bundesweites Parteiprogramm verabschiedet. Dies will sie nun auf dem Parteitag in Stuttgart nachholen. Er hat somit zentrale propagandistische und strategische Bedeutung für die Ausrichtung der AfD. Die Be- bzw. Verhinderung durch breite Proteste und Blockaden soll die AfD und ihr menschenverachtendes Gesellschaftsmodell nicht nur symbolisch angreifen, sondern auch Ausgangspunkt für Kämpfe um eine solidarische Gesellschaft für alle sein.

Doch was genau will die AfD in Stuttgart beschließen?

Der Programmentwurf der selbsternannten «Partei des gesunden Menschenverstandes» lässt Schlimmes erwarten: Jeder einzelne Satz ist ein Angriff auf die Errungenschaften sozialer Bewegungen der letzten Jahrzehnte. Von der Ablehnung demokratischer Verfahrensweisen und Minderheitenrechten, über die Leugnung des Klimawandels bis hin zur rassistischen und mörderischen Asylpolitik ist für alle Menschenfeind_innen was dabei.

So fordert die AfD in ihrem Programmentwurf u.a. den Ausbau von Polizei, Geheimdiensten und Bundeswehr, die Wiedereinführung der Wehrpflicht und ein «liberales Waffenrecht». Arbeitnehmer_innenrechte, Sozialversicherung und gewerkschaftliche Mitbestimmung sind ihr ein Graus. Sie will Fracking fördern, sieht in Windrädern Todesfallen für Vögel und befürwortet Atomenergie. Sie strebt eine massive Verschärfung des Strafvollzuges, die Kriminalisierung psychisch kranker Menschen an und positioniert sich gegen Inklusionsmaßnahmen für Menschen mit Behinderungen. Sie sieht die «traditionelle Familie als Leitbild», stigmatisiert Alleinerziehende, spricht Frauen* das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das Recht auf Schwangerschaftsabbruch ab und sieht sich und die «deutschen Kinder» durch die gesellschaftliche Sichtbarkeit von Trans- und Homosexualität bedroht. In der Schule soll Leistungsbereitschaft und Disziplin vermittelt, die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus hingegen soll gestrichen werden. Verschwörungstheoretisch imaginiert sie eine Invasion (vermeintlich) muslimischer Migrant_innen. Als Gegenmittel fordert sie den Ausbau der Grenzkontrollen, spricht Refugees fundamentale Menschenrechte ab und will ihnen das Leben zur Hölle machen. Schuld an den Toten im Mittelmeer ist ihrer Meinung nach nicht das mörderische Grenzregime, sondern die «großzügige Asylgewährung».

Die AfD kann nicht losgelöst von anderen politischen Akteuren verstanden werden. Auch ohne AfD hat der Bundestag die jüngsten Verschärfungen des Asylrechts beschlossen und ein breites Bündnis von Wagenknecht über Kretschmann bis Seehofer wirbt um Verständnis für rassistische Hetze und forciert die Ausgrenzung. Gegen diese Akteure der Abschottung richtet sich nachmittags eine Demonstration durch die Stuttgarter Innenstadt.

INFOS:

Nationalismus ist keine Alternative! / …ums Ganze! / Den Brandstiftern einheizen / Gemeinsam widersetzen

ANREISE:

Bustickets zum Preis von 15 (ermäßigt) / 20 (regulär) Euro gibt es ab sofort jeden Mittwoch und Freitag im Kafé Marat (Thalkirchnerstraße 102). Der Bus wird in der Nacht vom 29. auf den 30. April losfahren und am Nachmittag/Abend des 30. April zurück nach München fahren.

juergen

Hau ab, du Jürgen!

Über tausend Asylunterkünfte wurden seit Januar 2015 in Deutschland angegriffen. Dies geht Hand in Hand mit einem Erstarken rechter Ideologien und rechter Hetze auf verschiedensten gesellschaftlichen und politischen Ebenen, wie auch auf der Straße bei Pegida und Konsort_innen. Zu diesen rechten Bewegungen gehören und gehörten schon immer Verschwörungstheorien. Dass nun am 21.03.2016 der Münchner Pegida-Ableger den Verschwörungstheoretiker und Antisemit Jürgen Elsässer als Redner empfangen wird, ist also nicht überraschend.
Elsässer ist Chefredakteur der Zeitschrift Compact, welche einschlägig für ihre völkischen und verschwörungstheoretischen Inhalte bekannt ist. Er vertritt offen rechte und rassistische Positionen, sowie einen Antisemitismus, der in eine „Wir gegen die da oben“-Rethorik verpackt wird. So wettert er im antisemitischen Duktus beispielsweise gegen die „Bankiersfamilie Rothschild“ und gegen die „Ostküsten-Mafia“. Mit dieser Querfrontstrategie findet der glühende Antisemit auch in vermeintlich linken Kreisen Anklang, wie etwa bei den neurechten Montagsmahnwachen seit Frühjahr 2014. Seit Januar 2015 redete er bei diversen Pegida-Ablegern, wie etwa in Leipzig. Auch hegt er offen Sympathien für das ungarische Abschottungsregime, Putin und den Front National. Elsässer hetzt gegen alles, was nicht in sein reaktionäres Weltbild passt und sieht sich als Opfer einer Gesellschaft im „Homo- und Genderwahn“. Mit besonderer Vehemenz wendet er sich gegen alles, was die scheinbar natürliche, herrschende Geschlechterordnung infrage stellt. Vor dem Hintergrund eines zunehmenden rassistischen Klimas ist Elsässers Propaganda und seine Querfrontstrategie brandgefährlich.

Am 21.3 auf die Straße gegen Pegida, rassistische Hetze und jede Form von Antisemitismus.  Weg mit der Querfront!  Gegen Asylrechtsverschärfungen, die Festung Europa und ihre Fans! Nationalismus ist keine Alternative!

21.3.16, 18 Uhr Sendlinger Tor

Unser Feminismus ist antirassistisch – Reclaim feminism!

Der Aufruf vom Demobündnis zum Weltfrauentag 2016 in Köln:

Unser Feminismus ist antirassistisch – Reclaim feminism

WORÜBER GESCHWIEGEN WIRD
Das Jahr 2016 hat in vielen Städten Deutschlands mit Übergriffen auf Frauen* begonnen – auch in Köln. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen* ist in der Silvesternacht sichtbar geworden – unübersehbar in die öffentliche Debatte gezerrt. Wieso plötzlich das mediale Interesse? Die Thematisierung ist richtig und wichtig. Den Betroffenen der sexualisierten Übergriffe von Silvester – und aller sexualisierten Übergriffe, die alltäglich passieren – muss jegliche gewünschte Solidarität und Unterstützung zukommen. Es ging dabei jedoch nicht vorrangig um die Benennung sexualisierter Gewalt, sondern um die vermeintliche Herkunft der Täter – und das unverhohlen rassistisch: Im Verlauf wurde schnell nicht mehr über Sexismus gesprochen, sondern über die Verschärfung des Asylrechts, Abschottung und Abschiebung. Ein gängiges Fazit: Nicht der Sexismus in diesem Land sei das Problem, sondern die zu uns Geflüchteten. Jedoch: Sexismus ist nicht nach Deutschland eingewandert, Sexismus ist hausgemacht. Er findet statt – schon immer, ständig und überall. Sexismus findet sich strukturell in unterschiedlich hoher Entlohnung, Benachteiligung aller Frauen*, speziell von Transfrauen und Frauen* of colour, am Arbeitsmarkt oder in unterschiedlichen Belastungen, bspw. durch Kinderbetreuung wieder. Er findet sich ebenso in sexistischer Werbung und in den Seminaren von sogenannten „Pick-up Artists“, in den Männer lernen, wie sie Frauen* gegen ihren Willen verfügbar machen. Nicht gesprochen wird über sexualisierte Gewalt, die in den eigenen vier Wänden stattfindet. So finden 90% Prozent aller Vergewaltigungen im nahen Umfeld statt, von Verwandten, Bekannten und (Ex-)Partnern. Nicht gesprochen wird über die alltägliche Sexualisierung und sexualisierten Übergriffe auf Frauen* of colour.

WORÜBER WIR SPRECHEN SOLLTEN
Statt sich in rassistischen Debatten über Täterschaft zu ergehen, sollte über die Funktion und Bedeutung von sexualisierter Gewalt und strukturellem Sexismus gesprochen werden – und das weltweit. Es sollte um den Rassismus und die andauernde Gewalt gegen Geflüchtete gehen, denn weiter gibt es täglich Anschläge gegen Unterkünfte.
Es muss über die Kriege gesprochen werden, an denen die BRD beteiligt ist. Über ihren brutalen Charakter, die Militarisierung nach Außen und Innen und ihre Fortsetzung in den Geschlechterverhältnissen. Diese Kriege vertreiben Menschen, zerstören ihre Lebensgrundlage und zwingen sie zur Flucht. Dafür trägt die menschenverachtende Politik der EU die Verantwortung – voran die BRD. Viele Frauen* und Kinder sind auf der Flucht und auf dem lebensgefährlichen Weg in Richtung Sicherheit und in den Geflüchtetenunterkünften in höchstem Maße sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Viele Frauen*und Kinder müssen zurückbleiben und werden durch die Beschlüsse der deutschen Bundesregierung, wie im Asylpaket II, in lebensgefährlichen Kriegsgebieten oder an Europas Außengrenzen der Gewalt überlassen. Denn die Asylrechtsverschärfung, die die Regierung als Reaktion auf die sexualisierte Gewalt verkaufen will, trifft in Wirklichkeit Frauen* und Kinder weltweit am härtesten.
Innerhalb Deutschlands sind wir schon seit Jahren mit einem Backlash (also einem Rückschritt bei den feministischen Errungenschaften) konfrontiert. Dabei stellen Entwicklungen wie ungleiche Lohnbezahlung, Herdprämie, die Proteste der sogenannten Lebenschützer*innen, homo- und transphobe Mobilisierungen gegen sexuelle Bildung und Antidiskriminierungsarbeit an Schulen sowie die Akzeptanz sexualisierter Gewalt nur eine kleine Auswahl dar. Aktuell werden diese in rassistischen und antifeministischen öffentlichen Debatten deutlich. Rechtspopulistische Parteien und neonazistische Gruppierungen erfahren einen Aufschwung, werden hoffähig gemacht und benutzt, um eine rassistische Politik durchzusetzen.

WAS WIR FEIERN
Wir feiern kämpferische Frauen* und Frauen* in Kämpfen, die zeigen, dass eine solidarische, befreite Zukunft möglich ist. So beispielsweise die Frauen, die in der Revolution im syrischen Rojava aktiv sind.
Wir feiern alle, die in Frauen*häusern arbeiten oder Geflüchtete unterstützen.
Wir feiern all die mutigen Frauen*, Lesben, Trans* und Inter*personen, die sich einer hierarchischen Geschlechterordnung widersetzen.
Wir feiern all jene, die Zäune überwunden haben und die Festung Europa kurzzeitig ins Wanken gebracht haben – jetzt erst recht!
Organisieren wir uns global, ohne Grenzen!
Wir wollen eine herrschaftsfreie Gesellschaft ohne Ausbeutung, ohne Ausgrenzung, ohne den sexistischen und rassistischen Normalzustand. Wir wollen Solidarität und Respekt untereinander.
Es lebe die Verschiedenheit!
Im Rahmen des internationalen Frauen*kampftages wollen wir unseren Protest sowohl gegen Sexismus als auch Rassismus entschieden, laut und kämpferisch auf die Kölner Straßen tragen: Unser Feminismus ist antirassistisch – erst recht nach den Übergriffen der Silvesternacht.

Wir sehen uns bei der bundesweiten Demo am 12.3.2016 in Köln!

Bündnispartner*innen:

FAK (Feministischer Arbeitskreis Köln)
Frauen*-Vollversammlung Köln
Interventionistische Linke Köln (www.il-koeln.org)
KMII – kein mensch ist illegal Köln
SDAJ Köln
Unabhängiger Queer-feministischer Lesekreis Köln

Anmerkungen:
– Frauen* soll einerseits auf die Konstruiertheit von binären Geschlechtern hinweisen. Außerdem zeigt es auf, dass es nicht DIE Frauen gibt, sondern dass der Begriff „Frau“ für viele verschiedene Identitäten und Lebensentwürfe stehen.
– Trans* (auch: trans* Mensch, trans* Person) = Relativ neuer, im Deutschen zunehmend verbreiteter Sammelbegriff, der nach dem Vorbild von Suchmaschinen und Programmiersprachen das Sternchen (As – terisk) als Platzhalter für verschiedene mögliche Endungen nutzt (transgender, transident, transsexuell). Diese Offenheit soll auf die Vielfalt transgeschlechtli cher und anderer nicht der Norm entsprechender Geschlechtsidentitäten, Selbst bezeichnungen und Lebensentwürfe hinweisen, d.h. etwa auch Crossdresser, weder*noch* u.a. einschließen (Quelle: www.transinterqueer.org)
– Inter*(auch Inter*mensch, Inter*person), in der Inter* Community geprägter emanzipatorischer Sammelbegrifffür die Vielfalt intergeschlechtlicher Realitäten und Körperlichkeiten. (siehe Trans*)
– Wir sind uns bewusst, dass auch Frauen* Täterinnnen sexualisierter Gewalt sein können. Wir sprechen aber im Text von Tätern, da statistisch gesehen 95-99% der Vergewaltigungen von Männern verübt werden (Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Ebenso sind wir uns bewusst, dass auch Jungen und Männer, speziell Männer of colour genauso auch von sexualisierter Gewalt betroffen sein können.